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 Ich habe ein Buch geschrieben, was nun?

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Reakel
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BeitragThema: Ich habe ein Buch geschrieben, was nun?   Di 26 Nov - 10:32


Sie wollen Ihren Roman veröffentlichen, wissen aber nicht, wie? Dann lesen Sie ...




Hier ist der Ablauf eines unerfahrenen otto-normal Schreibers:
Hans Peter hat einen Roman geschrieben, den er unbedingt im Buchladen stehen sehen will. Schon bald ein bekannter Schriftsteller ... er ist komplett begeistert. Ach nein, das richtige Wort lautet euphorisch. Also macht er das, was die meisten Schreiberlinge mit ihren Manuskripten machen: Ausdrucken, in einen Umschlag stecken und an Bertelsmann und Co. schicken. Er ist sich sicher, schon bald berühmt, reich und millionenfach gelesen zu sein, auch wenn er es sich selbst nicht eingestehen will, denn er ist ja nicht "eingebildet". 
Drei Tage vergehen. Keine Rückmeldung.
Die im Verlag arbeiten ja auch nicht im Akkord, oder?
Eine Woche vergeht.
So langsam könnten die doch mal etwas von sich hören lassen, schließlich wollen sie ja mein Manuskript!
Zwei Wochen vergehen. 
Hans Peter steht nun am Morgen immer früher auf, es könnte ja ein Brief vom "Finanzamt" im Briefkasten liegen. 
Drei Wochen.
Na endlich! Von einem Verlag trudelt eine Rückmeldung ein. Inhalt: "Sehr geehrter Herr Peter, leider konnten wir für Ihren Roman keinen Platz in unserem Verlagsprogramm finden. Wir bitten um Verständnis. Alles Gute auf Ihrem weiteren Weg wünscht Ihnen mit freundlichen Grüßen, Ihr Verlagsteam."
Drei Monate seit der Absendung seiner Manuskripte vergehen.
Zwei weitere Briefe trudeln ein, sie ähneln stark dem Ersten. 
Ach, die anderen Verlage brauchen sicher so lange, da sie von meinem Roman total begeistert sind. Das dauert halt, bis sie ihn komplett durchgelesen haben ...



Falsch. Die Wahrheit ist, dass die anderen Verlage kein Geld für eine freundliche Standardabsage haben. 


Aber, was macht er falsch? Ist sein Roman so schlecht?
Dass sein Buch einfach nur grottenschlecht ist, ist sicherlich eine Möglichkeit, muss aber nicht sein. Er könnte auch einen super Roman schreiben, Verlagsriesen werden ihn trotzdem mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit ablehnen oder gar ignorieren, wenn er wie oben beschrieben vorgeht.



Was war denn an seiner Vorgehensweise falsch?
"Falsch" war eigentlich nichts, nur "unklug" war einiges. Auch mit der obig beschriebenen Variante kann man durchaus erfolgreich sein ... die Chancen sind nur ungefähr die gleichen wie beim Lottospielen. 


Zuerst sollte man sich überlegen, ob das Buch schon wirklich fertig ist. Ich meine nicht die Erstfassung, sondern, ob man sein Geschreibsel schon mehrmals überarbeitet hat (eine Überarbeitung ist nicht nur Rechtschreib- und Grammatikfehler ausbessern!) und ob schon jemand außerhalb des Familien- oder Bekanntenkreises die Geschichte auf Probe gelesen hat, samt ehrlichen Rückmeldungen und konkreter Kritik. Wenn nicht, sollte man dies veranlassen bevor man irgendetwas an Verlage schickt - natürlich gibt es Lektoren, aber die sind nicht dafür gedacht, den kompletten Text so gut wie "neu zu schreiben", sondern um Kleinigkeiten oder Formulierungen auszubessern. Man muss nämlich beachten, dass jede Stunde, die ein Lektor für ein Manuskript braucht, dem Verlag etwas kostet - man kann sich also denken, welche Art von Manuskripten Verlage bevorzugen ...


Aber das ist gar nicht der springende Punkt. Auch wenn man das alles getan hat, das Manuskript wirklich einigermaßen fertig ist (zu 100 Prozent "fertig" werden Sie Ihre Roman nie bekommen, es wird immer etwas geben, dass man verbessern kann. Aber mindestens die Zeit, die man zum Schreiben der Erstfassung braucht, benötigt man in der Regel auch nochmals zum Überarbeiten).
 Das Entscheidende ist, wie es innerhalb eines Verlagsriesen zugeht. Denn die großen Verlage haben in der Regel ihre Stammautoren, und falls sie Nachwuchs brauchen, flattern täglich neue -unverlangt eingesandte- Manuskripte auf ihren Schreibtisch (und das nicht gerade wenige, viele Verlagsriesen bekommen mehrere tausend pro Jahr). Da ist der Konkurrenzkampf mehr als nur groß, denn von Lektoren werden Zahlen wie "Von 3 000 unangefordert eingesandten Manuskripten veröffentlichen wir im Durchschnitt 2" genannt.



Also, dann: Was will ein Verlag?
Kein vollständiges Manuskript. Verstehen Sie mich jetzt nicht falsch, man sollte als unbekannter Autor auf jedem Fall seinen Debüt-Roman schon fertig haben, wenn man ihn an einen Verlag schickt. Aber man sollte ihn nicht im Ganzen schicken, sondern nur ein Exposé und ein Probekapitel. Denn diese beiden Dinge reichen einem Lektor, um die Fähigkeiten eines Autors einschätzen zu können und die Markttauglichkeit des Plots zu prüfen - wenn das Exposé fehlt, wird ein Manuskript schnell beiseite gelegt ...


Außerdem sollte man sich vorher z.B. mithilfe der Verlagshomepage informieren, welches Format bevorzugt wird. Wenn man nichts finden kann, nimmt man in der Regel die gute alte Normseite, denn die meisten Verlage verlangen Normseiten - darüber hinaus verleiht sie dem Manuskript ein professionelles Erscheinungsbild.



An welchen Verlag schicke ich mein Manuskript?
Das ist eine sehr gute Frage, mit der man sich eingehend beschäftigen sollte. Da die Verlagsriesen anscheinend mit Manuskripten regelrecht bombardiert werden, hat man bei ihnen als unbekannter Autor eher geringe Erfolgschancen (um sein Erstlingswerk bei den Riesen veröffentlichen zu können, braucht man entweder eine gute Agentur, viel Vitamin B oder einen riesen Haufen Glück). Also müssen kleinere Verlage her, das Internet bietet viele gute Suchmaschinen ...


Aber welche Verlage denn jetzt genau?
Man sollte natürlich nur an die Verlage schicken, deren Verlagsprogramm zum eigenen Buch passt. Wenn z.B. auf der Homepage steht, dass nur Horror, Thriller und Krimis gesucht werden, dann bringt es nichts, wenn man an diesem Verlag seinen vor Humor sprießenden Frauenroman schickt - man vergeudet nur die eigene Zeit und die der Verlagsmitarbeiter. Außerdem tun regelmäßige Standardabsagen der eigenen Motivation auch nicht wirklich gut ...


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Fabijus
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BeitragThema: Re: Ich habe ein Buch geschrieben, was nun?   Fr 24 Jan - 1:19

Hallo Reakel,

 ich habe hierzu noch ein paar kurze Fragen:

1.     Wird ein Manuskript parallel an verschiedene Verlage geschickt?

2.     Was unterscheidet ein Exposée von einem Klappentext?

3.     Wenn 30-50 Probeseiten gefordert sind, schickt man dann die ersten

         Seiten, oder sucht man sich die Kapitel aus?

 

LG Fabijus
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Skyla Lane
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BeitragThema: Re: Ich habe ein Buch geschrieben, was nun?   Fr 24 Jan - 1:53

Hallo Fabijus, ich glaube, die Fragen kann ich dir auch beantworten:
1. Ja, ein Manuskript wird gleichzeitig an verschiedene Verlage geschickt. Der Grund ist simple - würdest du immer erst auf eine Antwort warten, bevor du den nächsten Verlag anschreibst, würdest du sicher einige Jahre brauchen^^ Manche Verlage benötigen bis zu 9 Monaten, ehe sie antworten - wenn sie überhaupt antworten.
2. Ein Klappentext soll neugierig machen - ein Expose dagegen soll dem Verlag genau sagen, was in deiner Geschichte passieren wird, sprich: keine Cliffhänger, alles was wichtig ist, wird gesagt und auch verraten. Von Anfang bis Ende und meistens in einem Umfang von 1 bis 4  Seiten. Nicht vergessen - in der Kürze liegt die Würze - auch beim Exposé, obwohl es schwierig wird einen 600 Seiten Schinken auf drei Blätter zu quetschen.
3. Ganz klar, ja! Man schickt die ersten Seiten, denn wenn die nicht den Leser vom Hocker reißen, nützen auch die schönsten Endings nichts.

P.S. Nicht vergessen, dass man sein Manuskript auch einer Agentur anbieten kann. Da gelten meistens die gleichen Regeln. Vorher immer auf den Websites informieren.

Ich hoffe, ich habe das Wichtigste zusammengefasst^^
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Reakel
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BeitragThema: Re: Ich habe ein Buch geschrieben, was nun?   Fr 24 Jan - 2:19

Hallo Fabijus,

Skyla Lane hat eigentlich schon alles geschrieben Very Happy

Noch zu 2.: Ein Exposé zu schreiben ist eine Kunst für sich, da tun sich auch gestandene Autoren schwer. Denn, wenn man sein ganzes Herzblut in eine Geschichte gesteckt hat, soll man diese nun auf eine handvoll Seiten reduzieren? Man muss da lernen, die unwesentlichen Sachen wirklich wegzulassen, und stattdessen Dinge zu nennen, die einem Lektor besonders interessieren, zum Beispiel, die Hauptkonflikte ... sind sie gut ausgebaut, steht wirklich das ganze Manuskript unter Spannung, auf jeder einzelnen Seite? Passt es in das angegebene Genre? Was ist die Zielgruppe? Spricht der Schreibstil (Leseprobe) und die Handlung (Exposé) die Zielgruppe an, lässt sich der Roman gut vermarkten? 

Wenn den Lektor das Exposé anspricht, liest er vielleicht auch die komplette Leprobe (die erste Seite wird oft schon davor gelesen, da man anhand von ihr schon sagen kann, ob der Autor das Schreibhandwerk beherrscht ... und ein Verlag will heutzutage immer im Lektorat sparen. Sobald also übermäßig viele Fehler gefunden werden, wird auch aussortiert, da jede Stunde des Lektorats dem Verlag etwas kostet, und da sich "Neuatoren" sowieso selten rentieren, will man für sie auch nur möglichst wenig ausgeben). 

Ein riesen Unterschied zwischen Klappentext und Exposé: Den Klappentext schreibt meist der Verlag für die Leser, das Exposé schreibt der Autor für den Verlag. Solange du nicht selber veröffentlichst, musst du dir eigentlich über den Klappentext keine Gedanken machen Zwinker

Über eine Agentur sollte man unbedingt nachdenken, falls man in einen "großen Verlag" will ... bei den Verlagsriesen hat man ohne Agentur als Neuautor so gut wie keine Chance, die vertrauen meist nur noch (aufgrund der massenhaften Einsendungen) den Agenturen, mit denen sie schon gute Erfahrungen gemacht haben (Agenturen sortieren schon vorher für die Verlagshäuser aus, und präsentieren dem Verlag nur noch die bessere Hälfte der tausenden Einsendungen).
Ohne Agentur findet man eigentlich nur einen kleineren Verlag (wobei die auch gut sind! Die haben nur einfach nicht die finanziellen Mittel und Kontakte mit der Werbebranche wie Verlagsriesen)

Liebe Grüße,
Reakel
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