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 Wer kann alles Geschichten schreiben? Was braucht man dazu?

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Reakel
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BeitragThema: Wer kann alles Geschichten schreiben? Was braucht man dazu?   Mi 20 Nov - 10:10

Manche stellen sich vielleicht die Frage, wer alles Romane, Kurzgeschichten oder andere literarische Texte verfassen kann.
Die Antwort lautet: Jeder, der einigermaßen die Sprache beherrscht.

Bestimmt meinten Sie: Wer kann alles Geschichten verfassen, die jemand -außer Freunde und Familie- gerne und mit viel Freude liest?
Auch jeder - solange er gewillt ist, sich tiefgründig mit dem Thema Schreiben zu beschäftigen, denn es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
Zumindest nicht im literarischen Bereich, denn jeder erfolgreiche Schriftsteller hat irgendwann damit angefangen, zu üben - zwar manche eher und manche später, aber alle taten sie eins: Üben, üben, üben - und das nicht ein paar Woche lang, sondern bis an ihr Lebensende. Man hört nie auf zu lernen.

Braucht man sonst nichts? Was sind denn Voraussetzungen, die man besser haben sollte?
Etwas, dass man als Schriftsteller unbedingt braucht: Ausdauer und Beständigkeit. Es hilft einem nichts, wenn man die genialsten Texte der Welt schreiben könnte, man sich aber nur alle paar Monate dazu Zeit nimmt. Auch sollte man genügend Ideen haben und eine gewisse Kreativität besitzen - wie soll man etwas schreiben können, wenn man nicht einmal weiß, über was?
Den Rest, also das Schreibhandwerk, ist etwas, das man erlernen kann. Mehr dazu können Sie in unserem Schreibkurs "Grundlagen" nachlesen.
Aber, um das Schreibhandwerk zu erlernen, müssen Sie immer noch vor allem eins: Üben, üben und nochmals üben - und das regelmäßig.

Aber, wie übt man effektiv?
Das ist eine sehr gute Frage. Man übt effektiv, wenn man sich zu seinen geschriebenen Texten viele verschiedene Meinungen und Kritiken einholt, die aber vor allem eins sein müssen: ehrlich. Ein dickes Lob à la "Einfach super, du bist der nächste (Name eines bekannten Schriftstellers)!" bringt einen nicht wirklich weiter.  Diese Lobhudelei tut Ihnen, Ihrem Selbstbewusstsein sowie Ihrer Motivation gut, keine Frage. Aber wird Ihre Geschichte dadurch besser, werden Sie dadurch etwas lernen oder in Zukunft besser schreiben können? Ich bezweifle es jetzt einfach mal. Ich behaupte sogar, dass auf diese Weise die Chancen auf eine erfolgreiche Veröffentlichung gegen Null tendieren - da wäre mein Rat, dass man Lotto spielen sollte, denn dabei hat man bessere Chancen. Aber wenn Sie jetzt etwas schreiben wollen, das andere (Leser, die Sie nicht kennen) wirklich lesen wollen, sollte man neben des Erlernens des Schreibhandwerks unbedingt eigene Erfahrungen sammeln - und das geht halt nur, indem man man sich ehrliches Feedback von unabhängigen Lesern (jemand, den man nicht persönlich kennt) einholt und explizit um negative Kritik bittet. Woher wollen Sie sonst wissen, ob das Geschriebene beim Leser wirklich so ankommt, wie Sie es sich vorstellen?
Außerdem sollte man mit seinen Texten sehr selbstkritisch sein - aber dazu komme wir an einer anderen Stelle.
Zusammengefasst: Man braucht unabhängige und ehrliche Betaleser/Kritiker, ein gesundes Maß an Selbstkritik und den kontinuierlichen Austausch mit anderen Autoren.
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Reakel
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BeitragThema: Re: Wer kann alles Geschichten schreiben? Was braucht man dazu?   Do 21 Nov - 5:30

Warum braucht man die Kritiken von anderen Lesern?
Wenn man eine Geschichte schreibt, existiert sie nicht nur auf ein paar Blätter Papier oder der Festplatte eines Computers, sondern auch im Kopf des Autors - und dort sind noch tausend mal mehr Einzelheiten vorhanden als in der geschriebenen Version. Da der Autor beim Lesen seines Textes nicht wirklich unterscheiden kann, was er schreiben wollte und was er tatsächlich geschrieben hat, ist er auf die ehrliche Meinungen Anderer angewiesen. Das nennt man die "eigene Textblindheit", und damit hat so gut wie jeder Autor zu kämpfen.

Wer ist als Kritiker oder Betaleser geeignet?
Menschen, die Ihnen ehrliche und hilfreiches Feedback geben können; also Ihr Familien- oder Bekanntenkreis fällt schon mal weg.
Sie fragen sich, warum?
Die Antwort ist ganz einfach: Ich nehme mal an, dass Ihre Geschichte zwar nicht perfekt, aber zumindest schon recht ist. Wenn Sie Ihren Roman oder Ihre Geschichte z.B. irgendeiner Freundin zeigen, wird diese bemerken, dass Ihr Text ganz interessant ist. Deshalb wird sie automatisch daran denken, dass Sie Ihre Geschichte vielleicht einmal veröffentlichen, sozusagen als Schriftsteller ... ihre Freundin wird dazu höchstwahrscheinlich das passende Klischeebild im Kopf haben (Reich, berühmt, verfilmt). Deshalb wird sie den Gedanken, eventuell eine/n Schriftsteller/in zu kennen, mehr als nur toll finden - und versuchen, Sie auf jeden Fall zu motivieren und zum Veröffentlichen zu überreden. Sie wird vielleicht ein paar kritische Anmerkungen machen, aber zu große Kritikpunkte wird Sie wahrscheinlich gar nicht wahrnehmen oder Ihnen sogar vorenthalten, einfach, weil Sie mehrere Ängste hat:

1. Sie befürchtet, Sie zu sehr zu demotivieren, und Sie deshalb von Ihrer Karriere als Schriftsteller/in abzuhalten.
2. Sie will Ihnen keine falschen Ratschläge geben - wenn sie Ihnen einen falschen Kritikpunkt liefert, Sie das ändern und dann nach einer Veröffentlichung genau deswegen Ihr Roman zerrissen wird ... was werden Sie dann bloß von ihr denken?
3. Der größte Punkt: Ihre Freundin hat Angst, Sie durch zu harte Kritik persönlich zu verletzten oder die Freundschaft zu zerstören.

Wenn Sie jemanden aus Ihrem Familien- oder Freundeskreis Ihre Geschichten zum probelesen geben, sollten Sie auf jeden Fall klar stellen, dass Sie für jede -egal welche- Kritik dankbar sind, und das Schriftstellerische klar vom Persönlichen trennen, sodass niemand befürchten muss, es sich mit Ihnen zu verscherzen, nur weil er seine Meinung gesagt hat. Sie mögen jetzt vielleicht über die kindische Art schmunzeln, aber auf solche Dinge sollte man unbedingt achten, wenn Sie Rückmeldungen bekommen wollen, mit denen Sie auch etwas anfangen können.
Deshalb sind Freunde oder Familienangehörige jetzt nicht unbedingt schlechten Betaleser - sie sind nur diesbezüglich nicht immer zu 100 Prozent ehrlich, und das meist gar nicht absichtlich, sondern einfach unterbewusst. Darum sollten Sie sich ein paar Testleser suchen, die Sie persönlich nicht allzu gut kennen. Auch Schreibforen wie unseres bieten eine ideale Quelle von Betalesern und Kritikern, da sich hier nicht nur irgendwelche Testleser tümmeln, sondern welche, die sich selber auch mit dem Schreiben beschäftigen oder sogar professionell in diesem Bereich arbeiten.
Außerdem wäre es ganz sinnvoll, wenn Sie nicht nur einen oder zwei Testleser haben, sondern viele verschiedene, am besten über alle Jahrgänge verteilt, damit Sie sich eine Gesamtmeinung über Ihren Text anhand vieler verschiedener Kommentare bilden können. Zudem sollten die Betaleser auch ungefähr Ihrer Zielgruppe entsprechen. Wenn Sie z.B. einen Psychothriller schreiben, ist es praktisch vorprogrammiert, dass er Ihrer Großmutter, die z.B. nur seichte Romanzen oder "Rosamunde Pilcher" Romane liest, eher nicht gefallen wird.

Wie geht man mit den Lesermeinungen/Kritiken um?
Erst einmal akzeptiert man sie. Alle. Ich meine damit nicht, dass Sie alle Vorschläge dankbar in Ihr Manuskript übernehmen sollen - Sie sollen einfach akzeptieren, dass die jeweilige Kritik die Meinung eines Lesers über Ihre Geschichte ist. Punkt. Sie dürfen nicht anfangen sich zu rechtfertigen - alles, was der Leser nicht mittels des Textes weiß, weiß er nicht. Sie können nach der Veröffentlichung Ihres Romanes auch nicht alle Leser anrufen und erklären, wie Sie es gemeint haben. Stellen Sie sich vor, das würde Stephen King machen; wahrscheinlich wäre dann die gesamte Telekommunikation lahmgelegt.
Nachdem Sie die Kritik als Meinung eines Lesers akzeptiert haben, versuchen Sie einfach, die Begründung nachzuvollziehen. Vielleicht zeigt er Ihnen etwas auf, bei dem Sie während des Schreibens sowieso schon ein mulmiges Gefühl im Bauch hatten - in diesem Fall ist meist alles klar: Sie wollten beim Schreiben die Wahrheit, die Sie eh schon geahnt hatten, nicht glauben, da Sie vielleicht gerade auf diese eine Stelle besonders stolz waren.
Wenn Sie die Argumentation Ihres Testlesers nicht nachvollziehen können, ist es auch nicht weiter schlimm - legen Sie seine Kritik einfach beiseite und hohlen Sie sie erst wieder hervor, wenn Sie mal ein paar Monate Abstand von Ihrem Text samt Kritiken genommen haben und betrachten Sie die Anmerkungen Ihrer Betaleser erneut, möglichst neutral. Vielleicht fällt es Ihnen dann wie von Schuppen von den Augen, vielleicht auch nicht. Wenn Sie erneut anderer Meinung sind, dann ist das auch vollkommen in Ordnung - man wird es nie allen Lesern recht machen können, und letztendlich ist es Ihre Geschichte, bei der Sie entscheiden, was für Ihren Roman oder Ihre Kurzgeschichte am besten ist. Wichtig ist nur, dass man nicht sofort alle kritischen Meinungen zu seinen Texten ablockt, sobald diese nicht seinen Vorstellungen entsprechen; oft sind Goldschätze dabei, die einem erst bei einer späteren Betrachtung auffallen.
Außerdem ist es am besten, sich so viele Meinungen wie möglich einzuholen - wenn immer wieder das Gleiche kritisiert wird, weiß man, was zu tun ist.


Mmhhh ... wenn ich bloß so viel Zeit hätte ...
Halt! Sie haben doch die Zeit! Was machen Sie, wenn Sie abends von der Arbeit kommen? Fernschauen? Kneipe? Oder was anderes? Egal was, stattdessen können Sie auch schreiben - wenn Sie es nicht machen, ist Ihnen das Andere einfach wichtiger. Das ist auch vollkommen in Ordnung, jeder soll seine Freizeit so verbringen, wie er möchte - aber man sollte aufhören sich zu beschweren, dass man gerne Schreiben würde, aber einfach keine Zeit hätte - denn das stimmt so nicht, man nutzt seine Freizeit nur für andere Dinge ...

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